Kelterzeit bei Possmann

Alle Jahre wieder wird in der Kelterei Possmann in Frankfurt Rödelheim die Kelterzeit ausgerufen.
Anfang September eines jeden Jahres, wenn die Äpfel in voller Pracht an den Bäumen hängen und der Herbst sich mit kalten Nächten und Frühnebel am Morgen ankündigt, beginnt es auf dem Hof der Kelterei nach frischen Äpfeln zu riechen und es kommt Leben auf das Gelände der Kelterei.

 

Die Apfelanlieferung

Es ist Anfang September, ein Montagmorgen. Um kurz nach sieben Uhr stehen bereits die ersten Anlieferer vor den Toren der Kelterei in Rödelheim. Es duftet nach frischen Äpfeln während die Spätsommersonne sich mühselig Ihren Weg durch den Nebel sucht und den Morgentau auf den Wiesen vor der Kelterei zum funkeln bringt. Der Hausmeister öffnet die Tore und Dutzende private PKW reihen sich vor der großen Waage auf. Hier wird jedes anliefernde Fahrzeug gewogen während die Äpfel noch geladen im Fahrzeug verweilen. Die Stimmung ist euphorisch und die ersten Äpfel rollen hinunter in die großen Silos. Nach dem Abladen der Äpfel werden die Fahrzeuge erneut zum Wiegen auf die Waage gebeten und ein jeder Anlieferer erhält seinen eigenen Wiegeschein. Im tiefsten hessischen Platt wird über die begonnene Ernte, den fast vergangenen Sommer und den anstehenden Winter diskutiert. Viele nutzen die Gelegenheit und kaufen direkt in der Kelterei Ihren Apfelwein oder Apfelsaft, während am Silo nun ununterbrochen frisches Streuobst gefüllt wird.
Große Lastwagen rollen an und haben unzählige Tonnen Streuobst auf dem Zug.
Gäste der Kelterei verkosten derweil den ersten Süssen, frisch gepresst und herrlich natürlich ohne Zusätze, hergestellt aus 14 saftigen Landäpfeln. Die ersten gefüllten Kanister wandern in den gläsernen Kühlschrank und auch die ersten Flaschen stehen zur Füllung mit dem frischen Süssen bereit.

 


Ebbelwei - ihr liewe Leut' -
iss ebbes was jeden Hesse erfreut -
denn - Schobbe-Petze iss e Lust,
da vergißt'e allen Frust.
Vitamincher aus de Ebbel
sinn die Wohldat - gottverdebbel!
Deshalb lass' kaan Schobbe aus -
unn hab' Vorrat stets im Haus.

Waltraud Schneider, Frankfurt Nieder-Erlenbach


 

 

 

Kelterei Possmann GmbH & Co KG

 

 

 

 

 

 

 


Ersterwähnung des Äpfelweines

warum der Äpfelwein nicht Apfelwein heißt....

Der Aepfelwein führte lange eher ein Schattendasein in der Wein- und Bierstadt Frankfurt am Main. Was nicht heißt, dass kein Äpfelwein hergestellt oder getrunken wurde. Der früheste Beleg für die Erwähnung des Apfelweins stammt aus den Bürgermeisterbüchern und ist damit älter als bisher angenommen. Hier erfahren wir von einem „Winfurer“, einem Fuhrmann, der diesmal aber keinen Wein aus Trauben geladen hatte. Unter dem Jahr 1491 ist vermerkt:

„it(em) den wynfüre(r), d(er) ebbeldrang ettwe(n)
herbracht gehabt vnd ey(n) durch fare(n)
zeiche(n) e(r)langt vnd hynweg gefurt hait
dwile Er uff des visere(r)s ve(r)trostung he(r)-
komen ist, XX gulde(n) für ey(n) abtrag
neme(n), oder usz der Stait laiszen
gena(n)t jaken clas von werstat"[1]

Georg Ludwig Kriegk, ein weiterer Chronist Frankfurts, bestätigt diese Angabe in seiner Beschreibung der damaligen Trinkgewohnheiten folgendermaßen: „An geistigen Getränken im Mittelalter wurde in Deutschland in erster Linie Wein, der Lutertrank, Bier, Met, Obstwein und Branntwein genossen. Alle diese Getränke wurde auch in Frankfurt am Main konsumiert mit Ausnahme des Obstweines. Diesen, nämlich den Aepfel- und Birnenwein, habe ich dort nicht früher als 1571 erwähnt gefunden.“

Viele Stöffcheliebhaber und Äpfelweinfreunde fragen stets nach der Begründung, warum die Kelterei Possmann ihr Stöffche Äpfelwein und nicht Apfelwein schimpft.
Tatsächlich ist die korrekte Bezeichnung laut Ersterwähnung AEpfelwein und selbst die ersten Großkeltereien nannten ihr Stöffche Äpfelwein, so wie
Johann Georg Rackles oder die Gebrüder Freyeisen.